Selbstverständnis

 

Uni für Alle -für eine solidarische (Bildungs-)Politik!

"Uni für Alle" ist eine studentische Initiative, die sich dafür einsetzt, den Zugang von benachteiligten Bildungsausländer*innen und insbesondere von Geflüchteten zur Hochschulbildung zu erleichtern. Wir verstehen uns als basisdemokratische, partizipative und emanzipatorische Gruppe und legen besonderen Wert auf offene Strukturen. Durch ein Gasthörendenstudium an der Universität Freiburg unterstützen wir seit dem Wintersemester 2015/2016 Geflüchtete dabei einen Einblick in den universitären Alltag zu erlangen. Über ein begleitendes "Buddy-Programm" versuchen wir hierbei den Austausch zwischen regulär Studierenden und Studieninteressierten mit Fluchterfahrung zu fördern und ihnen somit den Einstieg in das Studium zu erleichtern. Wir sind uns bewusst, dass das Gasthörendenstudium nur ein erster Schritt sein kann, um bestehende Benachteiligungen von Geflüchteten im deutschen Bildungssystem abzubauen, weswegen wir uns neben dem Gasthörendenstudium auch für eine weitergehende Öffnung der Universitäten einsetzen.


Wir sehen uns als Akteur*innen in einem gesellschaftlichen Klima, in dem rassistisches Gedankengut und diskriminierende Praxis immer mehr an Zuspruch gewinnen und stellen uns entschlossen gegen diese Entwicklungen. Die aktuelle gesellschaftliche sowie hochschulpolitische Lage bilden für uns den Kontext, in dem wir agieren und Forderungen stellen. Dies soll im Folgenden konkretisiert werden.


Bleiberecht für Alle!
Seit den 90er Jahren erleben wir eine fortschreitende Einschränkung des Rechts auf Asyl und die Kriminalisierung von Flucht. Durch zahlreiche, drastische Verschärfungen wie zum Beispiel die Ernennung weiterer sogenannter „sicherer Herkunftsstaaten“ im Jahr 2015 wurde das individuelle Menschenrecht auf Asyl weiter ausgehöhlt. Herkunftsstaaten pauschal als "sicher" zu deklarieren widerspricht dem Kern des Asylrechts - der Einzelfallprüfung. Außerdem werden Menschen aus eben diesen Ländern systematisch stigmatisiert indem ihnen die Legitimation ihrer Flucht abgesprochen wird. Wir fordern ein
Ende dieser diskriminierenden Praxis – Bleiberecht für alle!


Gleiche Rechte, gleiche Chancen
Nicht nur beobachten wir eine zunehmende Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund ihres Aufenthaltsstatus, sondern erleben auch innerhalb der Gruppe der Schutzsuchenden eine Unterteilung in Menschen mit und ohne Bleiberechtsperspektive. So wird im neuen Gesetzespaket der Bundesregierung (2016) Asylbewerber*innen der Zugang zu Integrationskursen zwar ermöglicht, jedoch nur, wenn ihnen die Ausländerbehörde eine sogenannte „gute Bleiberechtsperspektive“ zuspricht, welche sich aus den vergangenen Schutzquoten der jeweiligen Herkunftsländer ableitet. Hier ist also nicht mehr das Individuum im Blick, sondern es findet eine pauschale Vorverurteilung statt. Dies schafft ein Bild von „guten“ und „schlechten" Geflüchteten, das dem Konzept der Menschenwürde widerspricht. Wir fordern eine vollständige Gleichbehandlung von Geflüchteten und ein menschenwürdiges Leben für alle, welches eine adäquate finanzielle Lebensgrundlage und gesellschaftliche sowie politische Teilhabe umfasst. Wir fordern die staatlichen Institutionen auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Gerade in der Arbeit mit Geflüchteten erleben wir, dass sich der Staat zurückzieht und sich auf das Engagement der Zivilgesellschaft verlässt.


Gegen jede Verwertungslogik im Bildungssystem
Wir sind der Meinung, dass allen Menschen das Recht auf Bildung zusteht – unabhängig ihrer Lebenssituation und ihres Aufenthaltsstatus! In unserem jetzigen Bildungssystem stellen wir jedoch fest, dass der Zugang zu Bildung insbesondere im Umgang mit Geflüchteten einer Verwertungslogik unterliegt. So wird nur denjenigen, die langfristig in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können, der Zugang zu höheren Bildungsangeboten gewährt. Das Recht auf Bildung ist hier also an eine zukünftige wirtschaftliche "Verwertbarkeit" der Person gekoppelt. So ist es Schutzsuchenden ohne „gute“ Bleiberechtsperspektive verwehrt, an kostenlosen Integrations- und Förderungsmaßnahmen teilzunehmen, was auch kostenlose Deutschkurse einschließt. Sprachkenntnisse sind jedoch notwendige Bedingung für den Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen. Die geringen Förderangebote gepaart mit selektiven Zulassungsbedingungen führen dazu, dass faktisch nur sehr wenigen Geflüchteten ein Studium möglich ist. Diese Entwicklungen tragen zur Bildung von elitären und wenig inklusiven Bildungsstrukturen, welche wir entschlossen ablehnen, bei.


Wir fordern...
In unserer bisherigen Arbeitmussten wir feststellen, dass Geflüchteten auf unterschiedliche Art und Weise der Zugang zu höheren Bildungsinstitutionen erschwert wird. Im Folgenden möchten wir Anhand einer konkreten Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, unsere Forderungen spezifizieren:


• Das Gasthörendenstudium muss für Geflüchtete kostenlos bleiben!

• Der Zugang der Gasthörenden zu allen Einrichtungen und Veranstaltungen der Universität muss gewährleistet sein!

• Die Anrechnung von Studienleistungen aus dem Gasthörendenstudium auf ein späteres, reguläres Studium muss ermöglicht werden!

• Es braucht mehr kostenlose Sprachkurse, damit die von der Universität vorausgesetzten Sprachkenntnisse erreicht werden können!

• Es muss mehr Möglichkeiten geben, einen für den Hochschulzugang qualifizierenden Schulabschluss entweder anerkannt zu bekommen oder diesen kostenlos in Deutschland nachzuholen!

• Universitäre Vorbereitungskurse (für Deutsch und Englisch) nicht nur für Studienfächer, an denen ein wirtschaftliches Interesse besteht - Keine Verwertungslogik im Bildungssystem!

• Jede*r Studierende soll einen Anspruch auf BAföG haben -unabhängig von der Aufenthaltsdauer!
An der Uni Freiburg sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft um das reguläre Studium für Geflüchtete zu ermöglichen. Wir fordern eine proaktive Uni, die ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt.


Wer bleiben will soll bleiben! Wer studieren will soll studieren!